Dual studieren: Ja oder Nein? Was sind die Vorteile und Nachteile?


Mit dem Boom des dualen Studiums sind auch die Möglichkeiten gewachsen, Sportmanagement „zweigleisig“ zu studieren. So lassen sich die erforderlichen betriebswirtschaftlichen Inhalte erwerben und zugleich praktische Berufserfahrungen sammeln. Falls du noch nicht genau weist, was hiermit gemeint ist, empfiehlt es sich, zunächst diesen Beitrag zu lesen, der allgemeines Infos zum dualen Studium enthält sowie eine Auflistung aller dualen Sportstudiengänge in Deutschland. Ergänzend dazu soll es hier nun um die Vorteile und Nachteile eines dualen Studiums gehen. Denn auch wenn dieses Format in vielerlei Hinsicht empfehlenswert ist, es beinhaltet doch manche Hürden.

Doppelte Qualifikation
So dual wie der Ausbildungsweg ist auch der Abschluss, denn du damit erlangen kannst. Auf jeden Fall gibt es neben dem Bachelor/Mastertitel umfassende Branchenerfahrung dazu. Beim Ausbildungsintegrierenden Studium ist es sogar möglich, parallel noch einen weiteren staatlich anerkannten Abschluss zu erwerben, z. B. als Fitnesstrainer/in oder Sportfachwirt/in. Manche Bildungseinrichtungen bzw. kooperierende Firmen bieten auch die Kombination mit einem Trainee-Programm an, das speziell auf Führungspositionen vorbereitet.

Am Ball bleiben
Wer schon eine passende Ausbildung abgeschlossen hat, kann mit einem berufsbegleitenden dualen Studium Qualifikationen als Sportmanager/in erwerben und zugleich weiterhin die bisherige Tätigkeit ausüben. Der Vorteil: Man ist nach dem akademischen Abschluss nicht „raus“ aus dem Beruf und kann unmittelbar darauf aufbauen, vielleicht sogar in der bisherigen Firma. Viele wählen diese Variante auch, weil sie auf die Weise weiterhin Geld verdienen können. Dieses Plus zeichnet übrigens (mehr oder weniger) alle dualen Studienmodelle aus.

Das Studium finanzieren
Die Kosten für das duale Studium trägt oft der Partnerbetrieb, also die Firma, die für den betrieblichen Ausbildungsteil zuständig ist. Alternativ kann eine Vergütung vereinbart werden oder eine Kombination aus beiden Möglichkeiten. Dies hängt vom Modell sowie dem konkreten Einzelfall ab und ist in der Regel Verhandlungssache. Unter dem Strich ist das duale Studium aber meist leichter zu finanzieren als ein reguläres Studium, bei dem alle Kosten selbst getragen werden müssen.

Karriere-Sprungbrett
Für einen Chef liegt es nahe, jemanden fest einzustellen, der sich bereits als Praktikant, Auszubildender oder Trainee bewährt hat. Daher konnten schon viele Absolventinnen und Absolventen das duale Studium als Sprungbrett nutzen. Selbst wenn es in der mit der Hochschule kooperierenden Firma keine Möglichkeiten der Festanstellung gibt (weil aktuell z. B. kein Personalbedarf besteht), helfen die bestehenden Kontakte häufig weiter. So kann sich ein Arbeitsplatz in einer anderen Filiale ergeben oder ein Geschäftspartner Einstellungsbedarf haben, der auf den engagierten Nachwuchs aufmerksam geworden ist.

Hoher Einsatz erforderlich
Fit sollte grundsätzlich jeder sein, der im Sport-Business aktiv werden möchte. Doch das duale Studium verlangt einem schon besonders viel ab. Das Nebeneinander von Theorie und Praxis, hier die Kommilitonen, dort die Kollegen und „echte“ Vorgesetzte ‒ viele Erwartungen müssen erfüllt, viele Prüfungen bestanden werden. Dies ist an sich nur zu schaffen, wenn man seine Ziele wirklich erreichen will und voll hinter dem dualen Studium steht.

Längere Studienzeit
Mit dem besonderen Format sind oft auch längere Gesamtstudienzeiten verbunden bzw. der Arbeitsaufwand ist in der gleichen Zeitspanne entsprechend höher als beim nicht-dualen Studium. So beträgt die Regelstudienzeit für ein Vollzeit-Bachelorstudium z. B. sechs Semester, während für das duale (berufsintegrierende) Format z. B. acht Semester einzuplanen sind. Die reguläre Unterrichtszeit endet beim Vollzeitstudium während des Nachmittags, während die Präsenzzeiten bei der berufsbegleitenden Variante auf Abende und Samstage fallen ‒ dies ist jedoch nur ein Beispiel, je nach Modell kann der Zeitplan auch ganz anders aussehen. Zu berücksichtigen ist auch, dass das der Workload (also das eigenständige Lernen, Hausaufgaben usw.) noch hinzukommt. Das duale Format dauert also insgesamt länger als ein „normales“ Studium und/oder erfordert mehr Einsatz in vergleichbarer Zeit. Dafür kann man anschließend allerdings zwei Abschlüsse bzw. einen Abschluss und wertvolle Praxiserfahrung vorweisen. So lässt sich vermeintliche Nachteil auch als Vorteil betrachten.

Verzicht auf Freizeit
Wer studiert und parallel arbeitet, hat wenig Zeit für andere Dinge. Ein duales Studium kann also bedeuten, z. B. ein Hobby vorübergehend einzustellen oder die Freunde seltener zu treffen. Hierüber sollte sich jeder, der dieses Format erwägt, im Klaren sein. Manchmal ist der Wunsch, diese Art des Studierens zu wählen so groß, dass Interessierte die Dinge zu rosarot sehen, nach dem Motto: Das kriege ich schon irgendwie hin. Diese Einstellung kann schnell in eine Sackgasse führen. Besser ist es also, sich selbst kritisch zu hinterfragen und möglichst die Erfahrungen anderer einzubeziehen. Wer sich z. B. in Alumni-Foren umhört, erfährt wie es wirklich ist, dual zu studieren und erhält Tipps, wie man damit zurecht kommen kann.

Die Lebensumstände einbeziehen
Auch die persönlichen Umstände sind ein wichtiger Faktor bei der Frage, ob das duale Studium zu bewältigen ist. Wer sich zum Beispiel abends nicht mehr konzentrieren kann, sollte sich eher nicht für ein berufsbegleitendes Studium entscheiden. Schließen wiederum finanzielle Gründe ein Vollzeitstudium aus, kann das duale Format genau das Richtige sein. Außerdem sollten Inhalt und Abschluss des Studiengangs optimal zu den beruflichen Zielen passen. Beim ausbildungsintegrierenden Modell gilt dies obendrein für die parallel laufende Berufsausbildung. Eine umfassende Beratung ist hier also besonders wichtig. Doch sind die Hürden erst einmal genommen, kann das duale Studium für Sportmanager/innen sicherlich wegweisend sein.