Wie man die Begeisterung für Sport ins Studium überträgt – Ein Erfahrungsbericht
Carla Bräunig ist sportbegeistert und will diese Begeisterung zum Beruf machen. Sie hat die Trainer C-Lizenz im Sportklettern und nach ihrem Bachelor in Sportmanagement an der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding, hat sie sich nun für den Master Sportwissenschaft: Gesundheitsförderung an der Universität Stuttgart entschieden. Viele Gründe, warum wir uns mit ihr über Ihre Studienerfahrungen unterhalten wollten.
Liebe Carla, vielen Dank, dass du uns Fragen zu deinem Studium beantwortest. War die Wahl des Bachelor-Studiengangs Sportmanagement und danach des Masters in Sportwissenschaft eine logische Konsequenz deiner Leidenschaft für Sport?
Natürlich war der Spaß am Sport ein Grund für die Wahl dieses Berufsweges. Die Idee etwas mit Sport zu studieren, festigte sich aber erst nach meinem freiwilligen sozialen Jahr im Sport, das ich nach der Schule beim Alpenverein absolviert habe. Hier habe ich erkannt, dass die Verbindung von Management und Sport das Interessanteste für mich ist, da mir organisatorische Tätigkeiten sehr viel Freude bereiten.
Du hast dein Sportmanagement Bachelor-Studium an der Fachhochschule für angewandtes Management, kurz FHaM, in Erding absolviert. Wie kamst du zu der Entscheidung?
Die Wahl, an der FHaM zu studieren, kam eigentlich eher aus der Not heraus. Ich hatte (auch aufgrund eines vorangegangenen Kreuzbandrisses) die bayerische Sportprüfung für das Sportstudium an der Universität nicht bestanden und danach auch in anderen Bereichen keine Alternative mehr. Die FHaM entdeckte ein Freund von mir in der Zeitung und ich beschloss, dass das semivirtuelle Studium für die Zeit der Kreuzband-OP und der nachfolgenden Reha optimal für den Einstieg geeignet war. Zuerst war geplant, die Sportprüfung erneut zu probieren und nach München oder Innsbruck an die Uni zu wechseln, allerdings habe ich mich aus verschiedenen Gründen dann doch entschlossen, an der FHaM zu bleiben.
Kannst du uns einen Einblick in dein Sportmanagement Studium geben? Was waren die Studieninhalte und welche Schwerpunkte konnte man wählen?
Die FH in Erding ist eine private Fachhochschule, die ihre Studiengänge nach dem Prinzip des „semivirtuell-Studieren“ aufbaut. Das bedeutet, dass sich Präsenzphasen an der Fachhochschule mit selbstständigen Studienphasen abwechseln. Die Präsenzphasen finden drei Mal im Semester für jeweils 6 volle Tage (meist Dienstag-Samstag) statt. Die Phasen dazwischen sollen die Studenten zum Selbststudium nutzen. Dafür werden auf einer Lernplattform für jeden Kurs Skripte, Präsentationen, Aufgaben oder Tests hochgeladen, auf die man von seinem PC über das Internet zugreifen kann.
Diese Art des Studierens eignet sich deshalb auch sehr gut für Berufstätige, ich habe nebenher aber nur gejobbt.Das Studium generell kann man mit einem vereinfachten BWL-Studium mit sporttheoretischen Inhalten vergleichen. Sportpraxis findet nicht statt. Im Grundstudium bekommt man Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Sports, außerdem stehen BWL-Grundlagen, Mathematik und Englisch auf dem Stundenplan. Des Weiteren legt die FH viel Wert auf Schlüsselqualifikationen (Moderation, Kommunikation, Präsentation, Führung, etc.). Ab dem 4.Semester kann man zwischen drei Schwerpunkten wählen: Vereins- und Verbandsmanagement, Eventmanagement und Sportanlagenmanagement. In den Schwerpunktfächern vertieft man die Grundlagen und lernt sehr praxisbezogen.
Zusätzlich muss jeder bis zum Ende seines Studiums ein 5-monatiges Praktikum absolvieren, wer will kann hierfür ein Praxissemester im 5. Semester einlegen.
Wie ist denn die Studienatmosphäre an der FHaM? Was sind die positiven und vielleicht nicht so positiven Erfahrungen?
Mein Semester war erst die dritte Kohorte in Sportmanagement an der FHaM. Dadurch war die Studienorganisation etwas chaotisch, das besserte sich aber von Semester zu Semester. Generell hat man während des gesamten Studiums, trotz des Studienkonzeptes, einen sehr persönlichen Bezug zu den Dozenten, Professoren und Mitarbeitern der FH. Alle waren sehr bemüht, bei Problemen zu helfen und jeden Einzelnen in seinem Studienweg und der anschließenden Berufswahl zu unterstützen. Des Weiteren ist es positiv, dass die Dozenten zum großen Teil aus der Praxis kommen und somit stets direkt aus der Wirtschaft berichten können. Dadurch ergibt sich auch die Möglichkeit viele Kontakte zu verschiedenen Bereichen knüpfen zu können.
Durch das semivirtuelle Konzept und auch die Möglichkeit, Kurse vorzuziehen oder zu schieben, ist man in seiner persönlichen Studiengestaltung und dem Zeitmanagement sehr flexibel, was für Berufstätige besonders von Vorteil ist.Im Gegensatz zu den Vorteilen stehen leider die Kosten, die für eine private Schule natürlich höher sind als für eine staatliche Universität. Außerdem sollte man auf jeden Fall ein gutes Maß an Selbst- und Zeitmanagement, sowie eine gute Portion Disziplin besitzen, da durch das Studienkonzept vieles von einem selbst abhängt.
Nach dem Bachelor in Sportmanagement hast du dich entschieden, an der Uni Stuttgart den Master Sportwissenschaft zu studieren. Wieso wolltest du noch einen Master dranhängen und wieso der Wechsel von „Management“ zu „Wissenschaft“?
Nach der langen Zeit des Selbststudiums (mit Anschlussstudium zum Dipl.-Betriebswirt 8 Semester), wollte ich v.a. nochmal die Atmosphäre eines „normalen“ Studiums erfahren. Außerdem ist der universitäre Abschluss ein Grund für den Master. Des Weiteren wusste ich nach dem Ende meiner FH-Zeit immer noch nicht genau, was ich eigentlich beruflich machen möchte.
Der Wechsel von „Management“ zu „Wissenschaft“ hat weniger mit meiner eigenen Entscheidung, als mit der Bezeichnung der Studiengänge zu tun. Die Welt von Bachelor und Master im Sport ist derzeit sehr verworren und undurchsichtig. An der Universität heißt fast jeder Abschluss Wissenschaften (meist mit Studienschwerpunkt), an der FH heißt es Management, weil eben keine wissenschaftlichen Inhalte vorhanden sind.Da auch im Sport derzeit nicht genügend Masterstudienplätze vorhanden sind, war die Auswahl (auch aus privaten Gründen) auf nur einige Städte beschränkt. Mein Wunschplatz für einen Master an der Uni Tübingen mit dem Schwerpunkt Sportmanagement hat sich leider nicht erfüllt, somit ist es Stuttgart geworden.
Sei bitte so nett und gib uns auch ein paar Einblicke in dein Sportwissenschaft Master-Studium. Was sind hier die Studieninhalte? Und kannst du Inhalte aus dem Bachelor vertiefen? Auf welche verschiedenen Berufsfelder wirst du vorbereitet?
Die Studieninhalte des Masters in Stuttgart sind leider sehr auf die Studenten der Uni Stuttgart ausgelegt. Als neue Studentin fehlen mir (wie auch meinen Kommilitoninnen) einige Grundlagen, so dass unser Master etwas schwieriger angelaufen ist, als die Uni sich das gedacht hatte. Im Gegensatz zu den Masterprogrammen in Tübingen und München, die zu viele Bewerber hatten, hat Stuttgart auch im 2. Masterjahrgang zu wenige, wir sind zu viert, unsere Vorgänger zu dritt.
Die Masterstudierenden sollen v.a. in den wissenschaftlichen Forschungsmethoden weiter ausgebildet werden, wobei der Schwerpunkt auf den Verhaltenswissenschaften liegt, wozu auch Gesundheitsförderung als Studienschwerpunkt gehört. Nach einer Wiederholung und Vertiefung der wissenschaftlichen Forschungsmethoden und weiteren Feldern der Sportwissenschaften (Soziologie, Philosophie, etc.) im ersten Semester, geht es im zweiten und dritten Semester um die praktische Anwendung in Feldversuchen, Projekten und Kolloquien. Ziel ist es, die Studenten für Führungspositionen auszubilden, wie genau man auf Berufsfelder vorbereitet wird, kann ich jetzt noch nicht genau sagen.
Da die Ausrichtung ganz anders als im Bachelor ist, kann ich keine Inhalte wirklich vertiefen.
Und was sind deine persönlichen Ziele nach dem Studienabschluss? In welcher Branche oder bei welchen Unternehmen würdest du gerne deine Karriere starten?
Derzeit liegt mein Berufswunsch auf der Vereins- und Verbandsebene. Meine bisherigen Erfahrungen beim Deutschen Alpenverein sowohl Haupt- als auch ehrenamtlich, auf Vereins- als auch auf Verbandsebene waren durchwegs positiv. An der Arbeit in diesem Bereich gefällt mir v.a. die Vielseitigkeit. Wettkampf- und Veranstaltungsorganisation gehören genauso dazu wie Mitgliederbetreuung, Vereinsmarketing und -finanzierung oder Personalmanagement. Flexibilität und Kundenorientierung, sowie der Überblick über das aktuelle Vereinsgeschehen, sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man hierfür mitbringen muss.
Mein Ziel ist es, mich während des Studiums und in der ersten Zeit danach bei verschiedenen Vereinen und Verbänden umzuschauen, um anschließend eine feste Stelle zu finden, in der ich die Professionalisierung eines Vereins/Verbands vorantreiben kann, ohne den persönlichen Kontakt zum einzelnen Mitglied und dessen Wünsche zu verlieren.
Carla, vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Wir wünschen dir alles Gute und vor allem ein weiterhin erfolgreiches Master-Studium.

