Erfahrungsbericht zum Studiengang Sportwissenschaften
Thomas Köppel studiert seit 5 Jahren Sportwissenschaft an der Uni Heidelberg. Nebenbei gibt er als Tennis- und Tischtennistrainer Unterricht, arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich Sportökonomie und ist auch Übungsleiter für Prävention in einem Fitnesscenter. Zwischen Sporteinheiten und Sportstudium hat er sich Zeit genommen, um uns in einem Interview Auskunft über sein Studium zu geben.
Thomas, erstmal vielen Dank, dass du unseren Besuchern Einblicke in dein Studium gibst. Dass du sportlich bist, kann man unschwer z.B. an deinen Trainerscheinen für Tennis und Tischtennis ablesen. War da ein Studium im Bereich Sport für dich die logische Entscheidung?
Die Entscheidung zu einem Sportstudium habe ich aus mehreren Gründen getroffen. Zum einen war ich von frühester Kindheit an vom Leistungssport begeistert. Die Emotionen, die erbrachten Leistungen und die vermittelten Werte, dass alles hat mich schon immer, besonders im Rahmen der Olympischen Spiele, fasziniert. Aber auch das eigene Sporttreiben sowie das Engagement als Trainer, Sport- und Jugendwart waren für die Entscheidung zu einem Sportstudium ausschlaggebend. Ziel war es, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen.
Warum hast du dich dann für den Studiengang Sportwissenschaft entschieden und nicht z.B. für ein Sportmanagement Studium?
Für mich war der Praxisbezug wichtig. In den meisten mir bekannten Sportmanagement- Studiengängen findet die Praxis meist nur sehr wenig oder überhaupt keine Berücksichtigung. Allerdings hatte ich innerhalb des Magisterstudiums in Heidelberg die Möglichkeit, den Schwerpunkt Sportökonomie zu wählen. Ich denke, das war eine wichtige und vor allem richtige Entscheidung, da man heutzutage in sämtlichen Bereichen betriebswirtschaftliche Grundlagen haben sollte.
Musstest du für die Zulassung zum Studium eine Eignungsprüfung bestehen? Falls ja, wie lief sie ab und wie hast du dich darauf vorbereitet?
Ja, für die Zulassung zum Sportstudium muss man in Heidelberg eine Eignungsprüfung bestehen. Geprüft wird in den Sportarten Leichtathletik (100m, Kugelstoßen, Weit- oder Hochsprung, 3000m bzw. 2000m), Schwimmen, Turnen (Barren, Boden, Sprung), Ballspiele (Fußball, Volleyball, Handball, Basketball). Da man alle Disziplinen bestehen muss, ist es ratsam, sich gezielt auf die Prüfung vorzubereiten. Bei mir persönlich lagen die Schwachstellen beim Barrenturnen und Kugelstoßen. Auf diese Prüfungsteile habe ich ca. 2 Monate hintrainiert. Einen Fehler, den man häufig bei Bewerbern sieht ist, dass sie sich zu sehr auf den Status des/der Klassenbesten im Sport aus Schulzeiten verlassen und sich zu sicher sind. Dann kommt der Tag der Eingangsprüfung und man merkt, dass man beim 100m-Lauf zwar schnell ist, aber leider nur die ersten 50m. Und schon fällt man durch. Deshalb mein Tipp: Eitelkeiten ablegen und ruhig mal ein paar Monate vor der Prüfung in den Hochschulsport der Uni gehen und die Schwachstellen trainieren. Die hier tätigen Trainer und Übungsleiter sind, nach eigener Erfahrung, stets hilfsbereit, wenn es um die Vorbereitung auf den Eignungstest geht.
Was kann man sich als Studieninteressent unter einem Sportwissenschaften Studium vorstellen? Würdest du uns einen Einblick in deinen Studienverlauf geben?
Die Sportwissenschaft ist eine interdisziplinäre Wissenschaft. Behandelt werden Themen wie Sportpsychologie, Sportpädagogik, Sportökonomie, Sport mit Sondergruppen und natürlich die Trainingswissenschaft. Hinzu kommt in Heidelberg eine große Vielfalt an Praxiskursen angefangen bei den grundlegenden Individual- und Mannschaftssportarten bis hin zu Wahlfächern wie Klettern, Rugby, Golf, und vieles mehr. Im Hauptstudium konnte ich mich zwischen den Schwerpunkten Sportökonomie, Sport mit Sondergruppen und Trainingswissenschaft entscheiden. Dies hat sich aufgrund der Einführung der Bachelorstudiengänge allerdings etwas verändert, da diese Studiengänge von Anfang an eine gewisse Spezialisierung aufweisen, was ich persönlich für nicht sehr gut befinde. Aber das ist wieder ein anderes, langes Thema. Was das Verhältnis Theorie und Praxis angeht, so liegt dies bei einem regulären Magisterstudiengang bei etwa 60% Theorie und 40% Praxis. Beim Studiengang auf Lehramt ist dies umgekehrt. Allerdings, und das ist einer der schönen Nebeneffekte am Sportstudium, ist man in der Belegung der Praxiskurse nicht eingeschränkt. So kenne ich keinen Sportstudenten, der nicht mehr Praxiskurse belegt als er eigentlich müsste. Aber auch in der Theorie kann und sollte man den ein oder anderen Schein (=erfolgreiche Prüfung) mehr machen. In meinem Schwerpunkt Sportökonomie werden z.B. nur drei Scheine gefordert. Möchte man sich aber später in diesem Bereich bewerben, so sollte man doch mehr bieten. Daher habe ich in sämtlichen angebotenen Sportökonomieseminaren wie z.B. Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Organisation und Management von Sportgroßveranstaltungen, Sportsponsoring und vielen weiteren mehr die Scheine erworben. Das gleiche sollte für Studenten und Studentinnen gelten die in die Trainingswissenschaft oder den Rehabilitations- und Präventionsbereich gehen möchten.
Du bist Mitglied im Verband für Sportökonomie und Sportmanagement. Siehst du deine Zukunft eher im betriebswirtschaftlichen Bereich des Sports oder in der Wissenschaft, getreu deines Studiengangs?
Schwere Frage. Zwar weiß ich seit Beginn des Hauptstudiums, dass ich in den Bereich Sportmanagement/Sportökonomie möchte, allerdings kann ich mir sowohl eine Karriere an der Universität als auch in Agenturen oder Sportverbänden vorstellen. Der Bereich Sportmanagement bzw. Sportökonomie schließt heutzutage ja keine Wissenschaftliche Karriere mehr aus. Im Gegenteil: Derzeit nehmen diese Studiengänge immer mehr an Bedeutung zu, was natürlich auch Stellen nach sich zieht (hoffentlich
).
Im Internet liest man oft die böse Anspielung, dass ein Sportstudium zukünftige Taxifahrer ausbildet. Was kannst du dazu aus eigener Erfahrung sagen?
Dazu sage ich eindeutig Jein! Die beruflichen Aussichten nach einem Sportstudium hängen in meinen Augen von einem erheblichen zusätzlichen Aufwand während des regulären Studiums ab. Mit diesem Aufwand meine ich freiwillige Praktika, Aufbau von Netzwerken und Zusatzqualifikationen die einen Bezug zu dem jeweils gewünschten Berufsfeld haben. Wer „nur“ sein reguläres Studium absolviert ohne nach rechts oder links zu sehen, der wird wohl Taxi fahren müssen. So stimmt es zwar, dass ein Sportstudium viele angenehme Nebeneffekte mit sich bringt die man genießen sollte (z.B. viel Praxis, legendäre Sportlerpartys, ein starkes Wir-Gefühl unter den Studenten), aber nichts desto trotz müssen auch Sportstudenten hart für ihre berufliche Zukunft arbeiten. Um die, die dies beherzigen mache ich mir keine Sorgen, was die berufliche Zukunft angeht. Denn gerade aufgrund des interdisziplinären Charakters sind Sportler, die sich häufig noch durch eine sehr gute Teamfähigkeit auszeichnen, in einer Arbeitswelt die immer mehr Flexibilität verlangt, sehr anerkannt. Daher meine Tipps: Kontakte knüpfen, Engagement zeigen, projektbezogene Praktika mit hoher Eigenverantwortung suchen und vor allem: Nicht als Bedienung oder Barman jobben, sondern Nebenberufe im oder rund um den Sport ausüben. Denn häufig findet man nur über diese Nebenberufe die nötigen Zusatzqualifikationen oder Kontakte für spätere und höhere Aufgaben im Sport.
Unsere letzte Frage: Für wen ist ein Sportwissenschaften Studium das Richtige? Und würdest du es wieder wählen?
Wer Sportwissenschaften studieren möchte, sollte aufgrund des interdisziplinären Charakters des Studienganges neben einer ausgeprägten Leidenschaft zum Sport, weitere breitgefächerte Interessen haben und neuen Bereichen gegenüber aufgeschlossen sein. Thema „Aufgeschlossenheit“: Auch im Bezug zu anderen Menschen sollte man im Besitz einer freundlichen und aufgeschlossenen Persönlichkeit sein, da man es im Berufsfeld Sport zum größten Teil mit dem Dienstleistungssektor zu tun hat, der einen direkten Kontakt zu Menschen erfordert. Selbstverständlich darf für den praktischen Teil eine hohe Allgemeinsportlichkeit nicht fehlen. Nur in einer Sportart sehr gut zu sein reicht für ein Sportstudium nicht aus. Für mich persönlich kann ich mir kein anderes Studium bzw. Berufsfeld als den Sport vorstellen. Müsste ich mich noch einmal entscheiden, ich würde es wieder so machen!
Das waren viele hilfreiche Informationen. Wir danken dir für die offenen Antworten und wünschen viel Erfolg beim Studienabschluss und Einstieg in die Berufswelt.

